Frauenfreundlich oder wirtschaftsfreundlich?
Das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) hat jüngst eine Studie zu familiären Transferleistungen in Österreich veröffentlicht. F21-Mitarbeiterin Monika Piskernigg nimmt im Folgenden dazu Stellung.Was wollen Frauen? Vor allem: Was wollen Frauen mit kleinen Kindern? Heutzutage scheinen Politiker wie Wirtschaftsexperten das ganz genau zu wissen.
Ihrer Ansicht nach wollen (sollen?) Frauen sofort nach der Geburt ihres Kindes Vollzeit arbeiten. Sie würden aber darin gebremst und gehindert, weil es zu wenige Kinderbetreuungsplätze gäbe. Diesem Schema entsprechend ist dann jede Maßnahme, die die Beschäftigung von Müttern in Vollzeit fördert, „frauenfreundlich“, während Transferleistungen, die zur Erziehung der Kinder im eigenen Zuhause beitragen, „frauenfeindlich“, ja „rückschrittlich“ sind.
Die Wifo-Studie im Auftrag der Arbeiterkammer gibt daher auch ganz genau vor, was der Staat tun muss, um die Frauen „in die richtigen Bahnen zu lenken“: Streichung des Alleinverdienerabsetzbetrages und der längsten Kinderbetreuungsgeldvariante, Ausbau von Kinderbetreuungsplätzen ab dem frühesten Babyalter. Das Ziel muss laut Wifo die Vollzeit berufstätige Mutter sein, deren Kinder ganztägig vom Staat betreut werden. Wunderbare Aussichten! Zu diesem Zweck sollen Transferleistungen, die direkt an die Familien ausgeschüttet werden, möglichst zurückgefahren und in eigene Einrichtungen des Staates umgeleitet werden.
Doch wem dient es wirklich, wenn der Staat auf die Familien massiv Druck ausübt, damit Mütter Vollzeit arbeiten gehen und ihre Kinder im staatlichen Babypark abliefern? Wie viel hat das noch mit der legitimen Förderung verschiedenen Lebensmöglichkeiten mündiger Bürgerinnen und Bürger zu tun, wenn der Staat ein Modell vor anderen Modellen bevorzugt, die für ihn letztlich billiger wären?
Mit dieser Aussage hat das Wifo als Wirtschaftsinstitut hier klar seine Kompetenz überschritten. Man spricht verlogenerweise von einer Verbesserung der Familienpolitik, von besserer Frauenpolitik, aber offensichtlich wird sowohl die eine als auch die andere eine Unterabteilung der Wirtschaftspolitik angesehen. Eigentlich müsste die Wirtschaftspolitik im Dienste der Familien und der Frauen stehen und nicht umgekehrt!
Das sehr beschränkte Karrieremodell des Mannes, der sich primär in der Berufsarbeit verzehrt und die Familienarbeit auf die Frau abwälzt, wird nun auf die Frau übertragen, die ihrerseits diese Aufgaben nun dem Staat überlassen soll. Was hat das mit Frauenrechten zu tun? Kann es im 21. Jahrhundert tatsächlich angehen, dass sich trotz aller öffentlichen Vereinbarkeitsrhetorik das Ideal der Wirtschaftswelt offenbar nach wie vor an dem traditionellen Rollenbild des Mannes orientiert? Niemand fragt, wie viele Menschen – Frauen wie Männer – so einen Lebensstil überhaupt aushalten würden, geschweige denn für sich selbst wünschten!
Bedenklicherweise wird dieser Druck auf Frauen dann auch noch ideologisch „frauenfreundlich“ verbrämt, indem einfach behauptet wird, der Staat wisse besser, was Mütter wirklich wollen sollten, nach dem Prinzip „und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt“. Wenn man nämlich wirkliche Mütter fragt, was sie gerne hätten, ist die Antwort einhellig: Zeit mit den Kindern und Zeit für den Beruf. Mütter wollen eine echte Vereinbarkeit, echte Wahlfreiheit. Und nicht, dass ihnen der Staat aufgrund einer unheiligen Allianz von wirtschaftlichen Interessen und 70er-Jahre-Ideologie vorschreibt, was sie zu tun und zu lassen haben.