US-Feministin warnt Frauen vor "Mythos Leistung"

Frau im Stress Vor dem "Mythos Leistung" als Quelle dauernder Unzufriedenheit warnt die US-Feministin Naomi Wolf die Frauen. In einem in der Presse am Sonntag (3.1.2010) veröffentlichen Artikel plädiert sie stattdessen für ein alternatives Wertesystem, wo nicht Karriere und beruflicher Erfolg die einzigen Messlatten sind.
"Wenn Frauen in der westlichen Welt im Verlauf der vergangenen 40 Jahre etwas gelernt haben, dann, wie man mit dem Status quo unzufrieden ist", stellt Wolf fest. Diese Unzufriedenheit sei eine der Triebfedern der "zweiten Welle" der Frauenbewegung gewesen. Doch mittlerweile sei eine Frauengeneration herangewachsen, die "ihre eigenen persönlichen Ansprüche unglaublich, ja sogar gnadenlos hoch ansetzen". Leistung sei in diesem Rahmen ausschließlich über beruflichen Erfolg, über das "Immer-mehr-Machen" und "Besser-als-andere-Machen" definiert worden, beklagt Wolf.

"Anderen Formen von Leistung wurde kaum Platz eingeräumt, etwa der Pflege betagter Eltern, beziehungspflegendem Wirken als Mitglied einer Gemeinschaft oder – ausgesprochen unwestlich! – dem Erlangen einer gewissen inneren Weisheit, Erkenntnis oder inneren Friedens," gibt die Buchautorin (The Beauty Myth) zu bedenken. Dieses Leistungsstreben habe verheerende Auswirkungen auf das Leben von Frauen im Alltag: "Es ist nicht unbedingt ein Sieg für die Frauen – oder Männer –, dass berufstätige Frauen 40 Jahre später genauso erschöpft sind, wie es berufstätige Männer seit jeher waren."

Wolf plädiert stattdessen für ein neues Verständnis des Feminismus, das ein gelungenes Frauenleben auch "anders als nur durch Zeugnisse" zu definieren bereit ist, und damit auch Dimensionen des weiblichen Lebens einbezieht, die über den Erfolg im schulischen, universitären und beruflichen Bereich hinausgehen. Vielmehr könnte das feministische Ideal als "eine Ausweitung aller Arten von Freiheiten" verstanden werden – "zu der manchmal auch die Loslösung vom ewigen Streben zählen kann".