Gewalt gegen Frauen - Gedanken zu einer OSZE-Konferenz
Dienstag, 08. Dezember 2009 um 11:29 Uhr
Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hatte am 5. und 6. November 2009 zu einer Konferenz über Gewalt gegen Frauen in die Wiener Hofburg geladen, an der auch F21 als Nichtregierungsorganisation (NGO) teilnahm. Im Folgenden ein Bericht über die Konferenz von unserer Mitarbeiterin Monika Piskernigg.Im Zuge der OSZE-Konferenz wurden die Mitgliedsstaaten dazu aufgefordert, sich stärker für den Schutz der Bürgerinnen vor Gewalt und Missbrauch einzusetzen.
In der zweitägige Konferenz wurden hauptsächlich drei Themenbereiche behandelt:
1) Schutz der Frauen vor Gewalt, in Form psychologischer Unterstützung, Obdach, medizinischer Versorgung und finanzieller Hilfe.
2) Strafverfolgung gewalttätiger Männer als starkes Symbol der „Nulltoleranz“.
3) Prävention von Gewalt gegen Frauen mittels Initiativen, die die Wurzeln des Problems bekämpfen und Schäden minimieren.
Bei Diskussionen über den Schutz der Frauen wurde auch die - in Österreich bereits seit Jahren existierende - Möglichkeit des Wegweisungsbeschlusses thematisiert, welcher es einer Frau erlaubt, im Falle von häuslicher Gewalt den Partner oder Ehemann ohne eingehende gerichtliche Prüfung bis zu einem Jahr lang aus dem Umfeld der gemeinsamen Wohnung zu verbannen. Dies reduziere das Risiko von Gewalt für die Opfer.
Eindringlich wurde der Staat in die Pflicht genommen, mittels Gesetzen und Strafbekämpfung gegen das Phänomen der Gewalt gegen Frauen vorzugehen. Es sollten daher mehr Frauenhäuser eingerichtet werden und eine bessere Ausbildung der Vollzugsbeamten erfolgen. Bezüglich der häuslichen Gewalt gegen Frauen müsse eine Politik der "Nulltoleranz" gepflegt werden, die letztlich auf die Ausmerzung dieses Phänomens abziele.
Was während der Diskussion besonders auffiel, war die fast ausschließliche Zurückführung der häuslichen Gewalt gegen Frauen auf "Geschlechterstereotypen". Offenbar aus diesem Grund wurde die kritische Auseinandersetzung mit Stereotypen, die durch Medien transportiert werden, als direktes Mittel der Prävention gegen Gewalt präsentiert. Die Tatsache, dass Männer und Frauen in der Gesellschaft nicht genau die gleichen Rollen spielen und die gleichen Positionen einnehmen, wurde damit letztlich als Hauptgrund für gewalttätiges Vorgehen gegen Frauen angesehen.
Fraglich bleibt indes, ob die Ursache von Gewalt tatsächlich in der angeblich mangelnden Gleichberechtigung von Mann und Frau liegt, oder ob nicht etwa tiefere familiäre und/oder psychologische Elemente als Ursprung dahinter stehen, die allerdings in keiner Weise zur Sprache gebracht wurden. Offen blieb des Weiteren, warum fast ausschließlich von häuslicher Gewalt gegen Frauen die Rede war und nicht von Gewalt an sich. Die künstliche Abspaltung des Themas "Gewalt gegen Frauen" von dem generell verbreiteten Phänomen Gewalttätigkeit schien das Verständnis dieser Problematik eher zu behindern und letztlich nicht empirisch, sondern ideologisch motiviert zu sein. Man konnte dafür den Eindruck gewinnen, als würden durch diese Vorgehensweise eher Gräben zwischen den Geschlechtern aufgerissen, anstatt zu gewaltfreier Konfliktkultur und Versöhnung anzuleiten.
Auffällig war weiters, dass auf die Bedeutung der Familie bei der Gewaltprävention nur von einigen Vertretern österreichischer NGOs hingewiesen, diesem Bereich aber sonst ausgewichen wurde. Dabei könnte man gerade durch die Erziehung in einer funktionierenden Familie bereits den Kindern lehren, wie man einen würdevollen Umgang miteinander pflegen und auch Geduld und Aussöhnung bei Konflikten in einem zwanglosen Umfeld einüben kann.
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