Feministin sieht Zusammenhang zwischen niedriger Geburtenrate und deutschem „Mutterideal“

Die deutsche Literaturwissenschaftlerin und Feministin Barbara Vinken sieht einen Zusammenhang zwischen der niedrigen Geburtenrate in ihrem Land und einem traditionellen „Mutterideal“. „Bei uns sind sowohl Frauen, die sich gegen Kinder entscheiden als auch Frauen, die sich für Kinder entscheiden, einig, dass beides, Kinder und Karriere, nicht geht“, sagte sie der Online-Ausgabe des ZDF-Magazins heute.



Vinken führt das auf eine Entwicklung zurück, die seit dem 19. Jahrhundert in Deutschland die „Vermutterlichung der Gesellschaft“ betrieb: „Die Mutter sollte die Gesellschaft von Innen reformieren; an ihrem Wesen sollte die Welt genesen. Das Mutterideal war entscheidend für die deutsche Politik.“

Dieses Erbe sei heute der Grund, warum in Deutschland deutlich weniger Kinder auf die Welt kämen als in Frankreich, das Vinken als Positivbeispiel preist. Im Nachbarland seien es nämlich gerade die gebildeten Schichten, wo die Mütter „nie länger als drei Monate stillen oder gar nicht, die natürlich ihre Kinder in Kinderkrippen geben und das super finden“. In Deutschland dagegen sei die Ablehnung der Krippe und die Akzeptanz des Stillens gerade im Bildungsbürgertum am höchsten. Ausgeblendet bleibt bei Vinken allerdings die Frage, was dem Kind – aus gesundheitlicher, psychologischer und pädagogischer Sicht – tatsächlich zugute kommt und was Mütter tatsächlich wünschen – ganz abseits von Ideologien und wirtschaftlichen Interessen.