Volksschullehrerberuf in Konflikt mit männlicher Identität
Mittwoch, 28. April 2010 um 14:03 Uhr
An Österreichs Volksschulen unterrichten nur rund 10 Prozent Männer. Eine Studie von Karin Plattner von der Pädagogischen Hochschule Tirol versuchte aufgrund von 30 Tiefeninterviews mit männlichen Lehrern herauszufinden, was die Männer daran hindert, diesen Beruf zu ergreifen.Eine zentrale Rolle spielte dabei offenbar die Geschlechtsidentität – viele der Befragten wiesen darauf hin, dass Lehrer in der Volksschule oft Tätigkeiten ausübten, die als „weiblich“ gelten, wie Märchenerzählen oder das Spielen mit Fingerpuppen. Da die Berufswahl zu einem Zeitpunkt geschehe, wo junge Leute noch mitten in ihrer Identitätsfindung steckten, werde dieser „weibliche“ Kontext von vielen jungen Männern als Bedrohung ihrer männlichen Identität empfunden.
Ein weiteres prägendes Merkmal des Umgangs der Lehrer mit den Kindern war die Befürchtung, bei zu viel Nähe als pädophil abgestempelt zu werden. Gleichzeitig würden die Männer von ihren Kolleginnen wegen dieser Distanz zuweilen auch beneidet. Letztlich ging aus den Interviews hervor, dass kurzfristige Änderungen von oben, etwa Gehaltserhöhungen, wenig dazu beitragen können, den Volksschullehrerberuf für Männer attraktiver zu machen.
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